Renten – Wertberechnung – der Hintergrund

Alljährlich zum 01. Juli wird der aktuelle Rentenwert neu berechnet. Der aktuelle Rentenwert ist eine Rechengröße für die Berechnung der Höhe jeder Rente von der Deutschen Rentenversicherung und somit für zurzeit knapp 25 Mio Rentnern in wichtiger Baustein für die finanzieller Grundlage.

 

Grundsatz Rentenhöhe:

Der aktuelle Rentenwert bildet den Wert für einen Entgeltpunkt ab. Der Entgeltpunkt errechnet sich aus dem Bruttoverdienst den jeder einzelne Arbeitnehmer bezieht, geteilt durch den Verdienst eines Durchschnittsverdieners (statistische Größe). Wird also genau der Durchschnitt verdient, erhält der Versicherte pro Jahr einen Entgeltpunkt. Neben diesem Grundsatz werden noch zahlreiche Besonderheiten bei der Berechnung der Entgeltpunkte berücksichtigt (zum Beispiel Zuschläge für Ausbildungszeiten, Abschläge für vorgezogene Renten usw).

Die Anzahl der erworbenen Entgeltpunkte werden mit dem aktuellen Rentenwert multipliziert. Der Durchschnittsverdienst im Jahre 2018 betrug Euro 37.873. Wurde also im Jahre 2018 ein Brutto-Entgelt von 37.873 erzielt, so erhält der Versicherte für diesen Verdienst genau einen Entgeltpunkt. Alle erworbenen Entgeltpunkte werden addiert und mit dem jeweils gültigen aktuellen Rentenwert multipliziert.

 

Beispiel:
5 Jahre gearbeitet und immer genau den Durchschnittsverdienst erhalten = 5 Entgeltpunkte

5 Entgeltpunkte x aktueller Rentenwert:

Der Rentenwert beträgt bis zum 30. Juni 2019 =32,03 Euro im Westen, also
5 Entgeltpunkte x 32,03 Euro = 160,15 Euro Rentenanwartschaft pro Monat bei der Deutschen Rentenversicherung erworben

 

Einzelheiten zum Rentenwert:
Der aktuelle Rentenwert und damit die Renten steigen zum 01. Juli 2019 im Westen um 3,18 Prozent und im Osten um 3,91 Prozent.

 

Damit steigt der aktuelle Rentenwert (Wert für einen Entgeltpunkt) von gegenwärtig 32,03 Euro auf 33,05 Euro im Westen und im Osten von gegenwärtig 30,69 Euro auf 31,89 Euro.

 

 

Aktueller Rentenwert – Grundlagen der Berechnung:

 

  1. Die Lohnentwicklung (Lohnsteigerung beträgt 2,39 Prozent in den alten Ländern und 2,99 Prozent in den neuen Ländern lt. statistischem Bundesamt).
  2. Der Nachhaltigkeitsfaktor (Entwicklung des zahlenmäßigen Verhältnisses von Rentenbeziehenden zu Beitragszahlenden incl. Aufbau von Altersvorsorge).
  3. Niveauschutzklausel (neu: Rentenniveau von 48 Prozent darf nicht unterschritten werden = Verhältnis Standardrente zu Durchschnittsentgelt).
  4. Angleichungsschritte Rentenwert West/Ost (Ost erreicht jetzt 96,5 Prozent des Westwert).

 

Ausschlaggebend für die Rentenerhöhung ist – wie auch im letzten Jahr – somit die gute Lohnentwicklung. Die allg. Lohnerhöhung stieg im 3. Quartal 2018 um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das ist der höchste Anstieg seit dem zweiten Quartal 2011, so das statistische Bundesamt.

 

Dämpfend auf die Entwicklung der Renten wird sich (vermehrt in Zukunft ) insbesondere das Verhältnis der steigenden Anzahl der Rentner zu der Anzahl der Beitragszahler auswirken (Nachhaltigkeitsfaktor). Ein wesentlicher Grund ist, dass ab 2020 die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen und somit die Zahl der Rentenbezieher wesentlich zunehmen wird. Wird die Erwerbsbevölkerung sich nicht ebenfalls erhöhen, so wird die Entwicklung der Rentenhöhe abenehmen.

 

Da absehbar ist, dass durch den Nachhaltigkeitsfaktor die Rentenhöhen im Verhältnis zum Einkommen sinken werden, wurde die Niveauschutzklausel entwickelt. Sie wird 2019 erstmal geprüft. So soll sichergestellt werden, dass in der Zeit bis zum 01. Juli 2025 das Rentenniveau von 48 Prozent nicht unterschritten wird. Das Rentenniveau ist das Verhältnis von einer Standardrente zum verfügbaren Durchschnittsentgelt. Eine Standardrente soll dabei eine Beitragszahlung von 45 Jahren beinhalten mit dem jeweiligen Durchschnittsverdienst. Das Rentenniveau beträgt für das Jahr 2019 noch 48,16 Prozent. Damit wird die Mindestsicherung eingehalten und die Niveauschutzklausel muss nicht angewandt werden.

 

Die Angleichung Ost/West wurde mit der “Rentenüberleitung” am 01. Januar 1992 festgelegt. Durch die unterschiedliche Bewertung sollten die unterschiedlichen Einkommensverhältnisse berücksichtigt werden. Es ist deshalb heute noch so, dass die erzielten Bruttoentgelte im Osten mit einem Umrechnungsfaktor hochgewertet werden, da der Durchschnittsverdienst im Osten niedriger ausfällt. Zum 01. Januar 2019 beträgt der Umrechnungsfaktor 1,084. Das bedeutet, dass für einen Entgeltpunkt nicht 1,0 Entgeltpunkte maßgeblich sind, sondern 1,084 Entgeltpunkte. Dieser Umrechnungsfaktor wird von Jahr zu Jahr abgeschmolzen. Im Gegenzug wird der aktuelle Rentenwert, der für die Ostrenten gilt, von Jahr zu Jahr auf Westniveau erhöht. Im Jahr 2024 werden sich alle Werte angleichen. Damit keine Ungleichbehandlungen vorkommen aufgrund unterschiedlicher Entwicklungen wird bei der Endberechnung der jeweiligen Rente noch eine Günstigkeitsprüfung durchgeführt.

 

Ihre Rentenberaterin Petra Schewe
www.InBeRe.de