Berufsunfähigkeitsrente – Hilfe bei der Beantragung

Private Berufsunfähigkeitsrente

In der Beratungspraxis zum Thema Erwerbsminderungsrente wird auch das Thema private Berufsunfähigkeitsrente mit der entsprechenden Berufsunfähigkeitsversicherung angesprochen. Häufig sind private Berufsunfähigkeitsversicherungen vorhanden, die bei einer “Berufsunfähigkeit von 50 %” fällig werden. Diese 50 % sind nicht zu verwechseln mit einer Erwerbsminderung, die bei einigen Versicherern gar als Grund ausgeschlossen werden. Auch bei der Beantragung sind vorab einige Dinge zu prüfen, denn eine “einfache” Beantragung kann sich zu einem Marathon-Lauf entwickeln. Das geht los mit dem Ausfüllen von nahezu 50 Seiten Angaben und das Beantworten von sehr vielen Fragen, die alle Tätigkeiten bis ins Kleinste durchleuchten. Natürlich sind häufig ärztliche Befunde nötig, so dass die Beantragung viele Monate dauert…

 

Inhalt von Berufsunfähigkeitsverträgen

Von entscheidender Bedeutung ist, was im Vertrag zur Berufsunfähigkeit eingetragen worden ist. Es wird ein aktueller Beruf vermerkt und ein mögliches Vorleiden. Immer wieder geben diese Angaben der Versicherung Gelegenheit, eine Leistung – nämlich die Auszahlung einer Berufsunfähigkeitsrente – abzulehnen.

Auf was ist also zu achten?

Prüfen Sie regelmäßig Ihren Vertrag für eine Berufsunfähigkeitsrente.

 

Berufsunfähigkeit und der Beruf

Ist der angegebene Beruf noch aktuell? Häufig wird der Vertrag in jungen Jahren abgeschlossen und der derzeitige Beruf (z.B. Schüler !!!!) eingetragen. Kommt es zum Leistungsfall, tritt also eine Berufsunfähigkeit ein, so prüft die Versicherung, ob der angegebene Beruf auch zutrifft. Wenn nun “Schüler” eingetragen worden ist, kann man nach vielen Jahren davon ausgehen, dass das nicht mehr zutrifft. Was macht die Versicherung? Sie lehnt die Zahlung einer Berufsunfähigkeitsrente ab, da der Beruf nicht mehr zutrifft, der neue Beruf nicht eingetragen worden ist und der Beitrag auf den neuen Beruf hätte angepasst werden müssen.

 

Doch die Angabe des Berufes reicht häufig auch nicht. Die Versicherungen prüfen genau, ob die Angabe identisch ist mit dem konkreten Aufgabengebiet. Wurde z.B. angegeben, dass man (so gut wie) zu 100 % eher verwalterische Aufgaben erledigt und das stimmt nicht oder es ändert sich im Laufe der Zeit (z.B. nur noch 50 % Verwaltung und 50 % Lagerorganisation bzw. -arbeiten) so wird die Versicherung möglicherweise ebenfalls eine Leistung ablehnen, da falsche Angaben gemacht worden sind (auch wenn sie anfänglich wohl zutrafen).

 

Berufsunfähigkeit und die Krankheit

Sind alle bereits bestehenden Krankheiten, Einschränkungen eingetragen? Die Versicherung wird genau prüfen, ob Sie etwas “vergessen” haben, denn Sie müssen Ihre Ärzte angeben und eine Schweigepflichtsentbindung unterschreiben. Die Versicherung wird Ihre Ärzte anschreiben und nachfragen, wann Sie was für Krankheiten, Einschränkungen hatten. Auch wenn Sie mit guten Gewissen, weil es ausgeheilt war oder die Untersuchung auf eine bestimmte Krankheit zu keinem Ergebnis kam oder Sie haben etwas vergessen, also nicht alles angegeben haben, so kann die Versicherung die Berufsunfähigkeitsrente ablehnen. Was ist zu tun? Sie können die Schweigepflichtsentbindung nicht ablehnen (Bundesgerichtshof (BGH) am 22. Februar 2017 entschieden mit Aktenzeichen: IV ZR 289/14). Ihre Versicherung kann also in Ihre Krankenakte sehen – Sie sollten also selbst (bevor Sie einen Berufsunfähigkeitsvertrag abschließen) in Ihre Krankenakte beim Arzt schauen. Nach § 630g BGB haben Sie ein Recht auf Einsichtnahme in Ihre eigene Krankenakte. Danach ist dem Patienten „auf Verlangen unverzüglich Einsicht in die vollständige, ihn betreffende Patientenakte zu gewähren, soweit der Einsichtnahme nicht erhebliche therapeutische Gründe oder sonstige erhebliche Rechte Dritter entgegenstehen“. Die Arztpraxis muss also zeitnah der Bitte nachkommen. Weigert sich der Arzt oder benötigt er sehr viel Zeit (allgemein ist eine Woche anzunehmen) so können Sie die zuständige Landesärztekammer informieren und sich darüber beschweren. Natürlich sind auch rechtliche Schritte möglich (Urteil Amtsgericht München vom 6. März 2015 mit Aktenzeichen 243 C 18009/14).

 

Hilfe bei der Beantragung

Gern sind wir Ihnen beim Beantragungs-Marathon behilflich. Wir prüfen zunächst die Angaben im Versicherungsvertrag, gehen mit Ihnen die einzelnen Angaben durch, korrigieren ggf. fehlerhafte Einträge, prüfen einen möglichen Leistungsanspruch, sind Ansprechpartner Ihrer Versicherung, helfen bei Unstimmigkeiten (bis zur Klage in Kooperation mit unserm Kooperationspartner Fachanwalt für Versicherungen), prüfen das Ergebnis…

 

Ihre Dipl.-Betrw./Rentenberaterin

Petra Schewe